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Fragen & Antworten (Ein Gespräch))

Ihr verschenkt eure Kunst - warum?

Clarissa: Wir möchten, dass jeder die Chance hat Kunst in seinem Umfeld zu haben, unabhängig vom Geldbeutel.

Besteht da nicht die Gefahr von Missbrauch?

Clarissa: Es entsteht auf jeden Fall mehr Verantwortung - wir denken aber, dass die Menschen das in der Regel auch so spüren.
Warum sollte sich jemand ein Bild oder Objekt als FREIWERK bei uns holen, wenn es ihm nicht gefällt? Wer hängt sich etwas, das ihm nicht wirklich gefällt an die Wand, wo er es täglich sieht - bloß weil es umsonst zu haben war?
Im Gegenteil, ich bin überzeugt, dass man beginnt genau zu überlegen 'will ich das', sagt mir dieses Kunstwerk wirklich zu, trifft es einen Nerv in mir, inspiriert es mich - oder meinetwegen auch nur passt es zu unserer Einrichtung?!
Etwas geschenkt zu bekommen ist vielleicht nur ein kleiner monetärer Unterschied zu etwas, das man preisgünstig bekommt - aber es gibt einen riesigen psychologischen Unterschied. Die meisten Menschen sind ja auf Schnäppchen programmiert - wenn man etwas billig bekommt, dann lässt man auch schon mal fünf gerade sein, dann nimmt man es nicht so genau, es ist billig, das ist wie ein Kaufargument für sich.
Bei einem Geschenk sieht die Sache ganz anders aus - Schenken kommt aus einem anderen psychosozialen Kontext und hat einen völlig anderen gesellschaftlichen Stellenwert. Wenn wir beschenkt werden, fühlen wir uns geehrt und wir verhalten uns auch ganz anders - einem Geschenk begegnen wir mit einer erhöhten Aufmerksamkeit, es aktiviert ganz andere Gefühlsregungen in uns als die Schnäppchenjagd, die rein auf Gier aufbaut. Ein Geschenk bringt auch im Beschenkten die beste Seite zum Vorschein, Freude verbindet, Geschenke bauen Brücken zwischen Menschen, die Freude ist beiderseitig und ein Geschenk hat immer einen ideellen, emotionalen Wert, der unabhängig von seinem materiellen Wert ist. Wenn mir beispielsweise jemand ein Päckchen Tee schenkt, empfinde ich das als wunderbar und sehr wertvoll - es ist viel schöner, als wenn ich mir den Tee einfach selbst gekauft hätte.

Peter: Ich hätte es nicht besser sagen können. Man muss noch hinzufügen, dass wir uns gegen Missbrauch durch einen "Unverkäuflichkeitsvertrag" schützen. Das heißt, man kann ein Bild, das man von uns geschenkt bekommen hat, nicht gewinnbringend verkaufen - es gilt sozusagen die Common License der "gleichen Bedingungen".

Unverkäuflichkeitsvertrag? Das klingt interessant, wie kamt ihr darauf?

Peter: Wir möchten unsere FREIWERKE ganz aus dem Geldsystem heraushalten. Sie sollen nicht zu Spekulationsobjekten werden und es soll gar nicht erst die Möglichkeit geben sie aus dem Grund einer späteren eventuellen Wertsteigerung haben zu wollen.

Wie funktioniert das nun genau, wenn man ein Freibild von euch haben möchte?


Peter: Wir werden unsere Arbeiten auf verschiedenen Wegen verschenken. Man kann ganz klassisch in unsere Ausstellungen kommen, sich die Bilder ansehen und sich bei Gefallen eines aussuchen und reservieren lassen, das man dann nach Beendigung der Ausstellung, oder Ausstellungsserie bekommen kann.
Oder man verlinkt sich mit unserer Facebook-Seite "Atelier Q-nst" wo wir gelegentlich Freibilder, aber auch Kommentare, Entstehungsprozesse usw. posten. Um mehr Leute zu erreichen nutzen wir aber auch Facebook- Gruppen wie "Share and Care" wo alles mögliche verschenkt wird und die sehr rege genutzt werden, sowohl von Verschenkern als auch von Suchern - das finden wir ganz klasse.

Um da Zugang zu haben, muss man aber selbst bei Facebook registriert sein, oder?

Peter: Ja - wenn man das nicht will, kann man sich zumindest einen Eindruck unserer Freiwerke auf unserer Homepage verschaffen, dort auch Ausstellungstermine erfahren.

Wovon wollt ihr leben, wenn ihr eure Bilder verschenkt?

Clarissa: Es ist ja ein Irrtum, wenn wir immer denken, wir leben vom Geld. Wir leben von Gemüse und Getreide usw. Wir leben in unserer zivilisierten, arbeitsteiligen Welt eigentlich immer von der Arbeit anderer. Es ist eigentlich jetzt schon ein großes Geben und Nehmen - nur dass momentan überall noch das Geld dazwischen geschaltet ist. Mein größter Traum ist, dass die Menschen das Geldsystem wie wir es jetzt haben überwinden.

Würden da nicht die meisten sagen "träum weiter"?

Clarissa: (lacht) Ja! Aber auch das Ende der Sklaverei war mal ein Traum, oder die Einführung einer Sozialversicherung, oder die 5-Tage Woche, oder der kostenlose Schulbesuch für alle Kinder und so weiter. Ohne Visionen könnte sich unsere Gesellschaft nicht weiter entwickeln. Es muss Vordenker geben, die die Diskussion in Gang bringen, nur so kann etwas Neues entstehen und können Fehler überwunden werden.

Auch ihr habt aber doch Ausgaben - wir wollt ihr das bewerkstelligen?

Peter: Wir sind auf der Suche nach Menschen, die die Notwendigkeit erkennen zu teilen. "Teilen wendet Not", das steckt in dem Wort. Kunst und künstlerische Prozesse, die Art, wie Kunst neue Blickwinkel und Horizonterweiterungen schafft, ist sehr notwendig für die Gesellschaft. Kunst ist immer die Blüte der Gesellschaft, sie ist einerseits die Essenz der Kultur, andererseits befruchtet sie wieder die breite Masse und befeuert damit den Prozess der geistigen und gesellschaftlichen Evolution.

Das war jetzt wieder sehr abstrakt - was heißt das konkret für euch?

Peter: Konkret setzen wir über Crowdfunding auf freiwillige Unterstützer, die diesen Schritt in als notwendigen Impuls erkennen. Es ist wichtig, gesellschaftlichen Gewohnheiten zu hinterfragen, sich etwas ganz neues, ganz anderes vorzustellen, keine Tabus im Denken zu haben – sonst kommen wir in der gesellschaftlichen Entwicklung nicht weiter. Wir setzen diesen Impuls in die Welt und sehen, was passiert, sehen wie die Menschen reagieren. Viele werden sich provoziert fühlen, viele werden uns für völlig durchgeknallt halten. Aber das Neue erscheint immer erst mal verrückt.

Clarissa: Einer muss anfangen. Egal ob es dann noch 200 oder 2.000 Jahre dauert, bis die Gesellschaft als Ganzes so weit ist, sich aus dem alten Muster des Mißtrauens zu lösen. Nichts anderes ist unser Geldsystem – ein System das auf Mißtrauen, auf Kontrolle, Regulierung und Zwang setzt. Das müsste nicht so sein, nicht mehr in einer Welt, des potenziellen Überflusses, wie wir sie bereits haben. Die Industrialisierung, die Computerisierung ermöglichen uns im Grunde eine große Freiheit – doch wir nutzen sie nicht – wir geben den Reichtum der Produktion und die Befreiung von Arbeitsprozessen nicht weiter, in dem wir alle an dem errungenen Wohlstand teilhaben lassen. Statt dessen spielen wir das verrückte Spiel die zu bestrafen, die keine Arbeit mehr finden, weil die inzwischen von Maschinen erledigt wird, die wir gebaut haben. Das ist absurd – nicht die Idee, miteinander zu teilen und auf die dem Menschen innewohnende Tatkraft zu setzen.

Eine neue Form von Kommunismus?

Clarissa: Quatsch! Das ist staubiges Denken. Der Kommunismus hat das Grundproblem auch nicht verstanden.
Das Geldsystem zu hinterfragen ist aktuell DAS Thema, das die Menschheit beackern muss – es muss dringend verstanden werden, welche Mechanismen dahinter stecken und wie viel Schaden dieses System anrichtet – und zwar in allen Bereichen des Lebens. Es gibt bereits einige Vordenker, kluge Köpfe, die da schon durchblicken und die auch weiter gehen und das nicht nur analysieren, sondern auch an einem Plan B arbeiten, den wir brauchen werden, wenn wir das Zerstörerische überwinden wollen. Es kann schon viel bewirken, wenn das Zins- und Zinseszinssystem verstanden wird und wenn verstanden wird, was es bewirkt, wenn man an dieser Schraube dreht, z.B. durch die Einführung eines Negativzinses, wie bei dem sagenhaften Experiment von Wörgl. Das hier zu erläutern führt aber zu weit. Was wir nun machen ist allerdings der radikalste Schritt, ohne Zwischenschritte - wie sie realistisch betrachtet sicherlich notwendig sein werden. Wir nehmen statt eines Raumschiffes in die Zukunft sozusagen ein Wurmloch auf geradem Weg in eine Schenkwirtschaft.

Das war jetzt wieder sehr philosophisch – was ist für euch der nächste Schritt?

Peter: Konkret suchen wir längerfristig einen Ort an dem wir leben und arbeiten können, ohne Miete dafür bezahlen zu müssen. Wir können uns dafür auch eine leere Fabrikhalle vorstellen, sofern sie beheizt ist. Wir denken aber auch über nomadische Lebensmodelle nach. Das ist aber noch nicht ganz aktuell. Wir würden uns gerne noch weiter unabhängig machen von Geld und vom Zwang für Geld arbeiten zu müssen. Nur damit das nicht mißverstanden wird – wir arbeiten sehr gerne, wir arbeiten auch sehr viel, die 7-Tage Woche ist für uns ganz normal – aber wir möchten das arbeiten, was wir gerade für notwendig halten, nicht das, wofür am besten bezahlt wird.


Wäre Tausch nicht auch eine Möglichkeit für euch? Auch da bleibt doch das Geld draußen und es gibt immer mehr Tauschringe ganz verschiedener Art.

Clarissa: das ist für mich ein ganz zentraler Punkt. Tausch war mir schon immer viel zu eng, viel zu kurz gedacht. Ich gebe dir, du gibst mir dafür etwas, das führt, so gut es gedacht sein mag, sofort wieder zum Bewerten, Vergleichen, Feilschen... Man denkt insgeheim: ist meins jetzt mehr wert gewesen als was ich dafür bekommen habe? Es schleicht sich immer ein Verdacht, ein Misstrauen ein, dass man übervorteilt werden könnte. Letztlich denkt beim Tausch jeder doch wieder nur an sich und seinen Vorteil. Außerdem ist Tausch wie Inzucht, oder wie ein Kurzschluss - es haftet dem etwas kränkliches an. Tausch ist wie die feige Vorstufe zum freien Schenken - man möchte etwas geben, will aber sicher sein, etwas dafür wieder zu bekommen. Von dieser Sicherheit muss man sich verabschieden, wenn man so etwas machen will wie wir. Wir können nicht sicher sein, ob wir genug zum Leben haben werden, ob sich ein Gleichgewicht einstellen wird, das uns ermöglicht unserer Berufung nach zu gehen und trotzdem ein menschenwürdiges Leben zu führen. Es wäre schön, wenn uns das gelingt und wir damit einen größeren Kreislauf des Schenkens in Gang setzen - ein freies Fließen der Schaffenskräfte, das ist es, was mir vorschwebt.

Es ist sicherlich enorm mutig so etwas zu wagen?

Clarissa: Ja, aber bei uns ist es auch der Mut der Verzweiflung - ich stand schon mehrmals am Abgrund der Verzweiflung über unser Geldsystem, das uns versklavt und zwingt um jeden Preis wirtschaftlich zu denken. Wirtschaftlich heißt eben immer auf maximalen Gewinn bedacht. Ich neige aber dazu als Grafik-Designer auch Projekte zu unterstützen, die weniger profitorientiert sind, aber dafür vielleicht sinnvoller als andere, die mehr Geld bringen. Der Kampf um das Geld hat inzwischen wirklich hässliche Ausmaße angenommen - wir sind schon mehrmals von Kunden so betrogen worden, dass uns das fast den Teppich unter den Füßen weggezogen hat. Wenn es ums Geld geht werden Freundschaften in die Tonne getreten, wird auf Teufel-komm-raus gefeilscht, zeigen sich plötzlich Fratzen hinter den sonst freundlichen Gesichtern. Das Geldsystem aktiviert wirklich unsere niedersten Instinkte, Raubtierkapitalismus und Heuschreckenmentalität, das gibt es im Kleinen wie im Großen.

Bin eben mal die Welt retten - passt das zu euch?


Clarissa: Na ja - immer gerne doch! Wir sind nur ein winziges Tröpfchen... Aber manchmal bringt auch ein Tropfen das Fass zum Überlaufen. Ernsthaft - wer soll anfangen neue Ideen und Konzepte zu leben, wenn nicht Leute aus unseren Reihen? Künstler stehen per se etwas randständig in der Gesellschaft. Wir halten uns ja auch gerne etwas raus aus der Masse, einfach, um den Horizont frei zu kriegen, um uns offen zu halten für die inneren Reifungsprozess, um etwas geistigen Freiraum zu bewahren damit sich dort neue Gedanken einnisten und entfalten können.

Peter: Wir glauben, dass die Gesellschaft dringend neue Modelle denken muss. Unser aktuelles Geldsystem führt automatisch zu einer Konzentration der Geldmittel an der Spitze und zu einer Verarmung der immer breiteren Masse, das ist im bereits erwähnten Zins- und Zinseszinssystem so implementiert, das geht gar nicht anders. Wenn man möchte, dass es anders geht, muss man hier den Hebel ansetzen. Es ist notwendig, dass jeder normale Bürger diese Vorgänge versteht, schließlich geht jeder täglich mit Geld um und doch wissen nur wenige, wie das System im Grunde arbeitet. Man versteht es am besten, wenn man einen Schritt zurück geht, es aus Abstand betrachtet und man man sich beispielsweise anguckt, was passiert, wenn man es anders handhabt . Es gibt z.B. die Debatte um ein Bedingungsloses Grundeinkommen, die auch dazu anregt, die ganz grundlegenden Fragen zu überdenken. Was ist eigentlich Arbeit? Würden Menschen auch dann arbeiten, wenn sie es nicht müssten um ihre Existenzgrundlage zu sichern? Wie würde sich die Gesellschaft verändern. Das ist eigentlich enorm spannend, aber die normalen Medien haben leider wenig Interesse objektiv über solche Ideen und Bewegungen zu berichten.

Warum glaubst du ist das so?

Peter: Die Mainstream-Medien sind nicht frei, sie sind politisch und finanziell abhängig und wagen sich nicht an die wirklich brisanten Themen heran. Erst durch das Internet haben wir erstmals in der Geschichte ein wirklich demokratisches Massenmedium, das uns vernetzt und uns ermöglicht uns unabhängig von Vorgekautem eine eigene Meinung zu bilden - noch.

Zwei Fragen noch: Wie kamt ihr zuerst auf die Idee eure Kunst zu verschenken und was ist euer nächster Schritt?

Clarissa: Bei mir gab es erste Überlegungen in diese Richtung schon vor 15 Jahren und seitdem habe ich mindestens 3 mal ernsthaft darüber nachgedacht und mir Konzepte überlegt wie ich es umsetzen könnte. Es kam aber nie dazu, weil die Umstände, oder die Partnerschaft nicht gepasst haben. Jetzt glaube ich, ist die Gesellschaft auch erst an dem Punkt, wo so etwas vielleicht verstanden wird - und ich bin glücklich mit einem Partner zusammen, der ähnlich denkt, wie ich.

Peter: Mir ging es ganz ähnlich - als Musiker stehst du auch immer vor dem Dilemma - du möchtest Musik machen, um die Welt zu erfreuen. Wegen des Geldes finden aber viele Konzerte gar nicht statt, weil sie sich wirtschaftlich nicht rentieren, weil die GEMA zu viel abzieht, weil private Veranstalter das Risiko nicht tragen können usw. Also wird das, was du der Welt zu geben hast verhindert durch Geld, nicht etwa ermöglicht, wie man glauben möchte. Unser Geldsystem ist inzwischen ein Kultur-Verhinderungssystem geworden. Ich möchte aber nicht abtreten von dieser Erde ohne das gegeben zu haben, was ich geben kann.

Clarissa: Zur letzten Frage - aktuell sind wir in einer Übergangsphase - wir beginnen unsere Kunst zu verschenken, aber arbeiten als Grafik- und Webdesigner noch ganz normal, solange wir noch keine Ort gefunden haben, wo wir mietfrei wohnen und arbeiten dürfen. Wir trennen das erst mal so: alles was auf Auftrag geschieht, muss bezahlt werden. Die Dinge, die wir aus eigenem Impuls der Menschheit geben wollen, werden wir schenken. Je mehr wir uns aus den bezahlten Jobs verabschieden können, um so größer werden unsere Schritte in die bedingungslose Schenkwirtschaft.

Das hört sich gut an! Vielen Dank für das Gespräch und gutes Gelingen für euren Sprung auf die nächste Stufe der Evolutionsleiter!

 

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